Mythos oder Wahrheit: Gibt es Schlacken im Körper?

„Schlacken gibt es doch gar nicht. Wer davon spricht, erzählt Humbug.“

Diesen Satz hat ein Bekannter einmal zu mir gesagt. Und genau dieser Satz hat mich dazu gebracht, den Begriff „Schlacken“ selbst genauer zu hinterfragen. Was steckt eigentlich dahinter? Woher kommt dieser Begriff und gibt es für die Vorstellung, die sich dahinter verbirgt, eine anatomisch oder physiologisch nachvollziehbare Erklärung?

Geschichtlich stammt „Schlacke“ ursprünglich aus der Metallverarbeitung und bezeichnet Rückstände, die bei einem Schmelzprozess entstehen. Otto Buchinger übertrug dieses Bild 1935 auf den menschlichen Stoffwechsel. Für die Menschen seiner Zeit war das Bild eines Ofens sehr verständlich: Holz verbrennt, Wärme entsteht und zurück bleibt Asche, die regelmäßig entfernt werden muss. Der Begriff „Entschlackung“ war damit als anschauliches Bild für die Entfernung von Stoffwechselrückständen geboren.

Während meiner Schulzeit habe ich mir darunter schädliche Ablagerungen vorgestellt, die sich irgendwo im Körper sammeln und von der Schulmedizin übersehen werden. Ohne genau zu wissen, was mit dem Begriff eigentlich gemeint ist, habe ich diese Vorstellung übernommen und erst im Studium aufgegeben. Und heute sehe ich das noch einmal differenzierter. 

Was sind Schlacken eigentlich?

Der Begriff „Schlacken“ ist heute medizinisch überholt. Unsere Zellen produzieren ständig Stoffwechselendprodukte, die im Rahmen der normalen Stoffwechselprozesse entstehen und weitertransportiert, umgewandelt und ausgeschieden werden. Dazu gehören beispielsweise Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin oder Lactat.

Wenn solche Stoffwechselprodukte länger im Gewebe verbleiben oder sich das Milieu rund um die Zellen verändert, lässt sich dieser Vorgang wesentlich genauer beschreiben als mit dem Sammelbegriff „Schlacken“. Genau diese präzisere Betrachtung interessiert mich: Was geschieht eigentlich direkt an der Zelle und in ihrem unmittelbaren Umfeld?

Das Bild vom Ofen

Ob Schülern oder Patienten, ich erkläre diesen Vorgang gerne wie Otto Buchinger mit dem Bild eines Ofens. Ein Ofen braucht Sauerstoff und Brennmaterial, zum Beispiel Holz, um Wärme zu erzeugen. Dabei entsteht Asche. Wird diese Asche nicht regelmäßig entfernt, sammelt sie sich an und der Ofen kann irgendwann nicht mehr optimal arbeiten.

Auch unsere Zellen benötigen Sauerstoff und Nährstoffe, um Energie zu gewinnen. Dabei entstehen wie die Asche im Ofen Stoffwechselendprodukte. Diese Stoffe müssen abtransportiert werden, genauso wie wir den Ofen von Asche reinigen müssen. 

Müllsammelstelle? Zwischen den Zellen

Zwischen unseren Zellen und den Blut und Lymphgefäßen befindet sich ein komplexes Zwischenzellmilieu. Wichtig zu wissen ist, dass keine unserer Billionen von Zellen direkten Zugang zum Blutgefäß und dem Stoffaustausch hat. Der Austausch der Gase, Nährstoffe und Abfallstoffe findet im Zwischenzellraum statt. Sauerstoff und Nährstoffe gelangen zu den Zellen, während Stoffwechselprodukte aus dem Zellumfeld abtransportiert werden.
In der modernen Medizin sprechen wir in diesem Zusammenhang von der extrazellulären Matrix. Der Begriff Pischinger Raum beziehungsweise Grundsubstanz ist ebenfalls gebräuchlich. Gemeint ist damit das unmittelbare Umfeld der Zellen, über das der Austausch zwischen Zellen und den versorgenden und abtransportierenden Strukturen stattfindet.

Was passiert, wenn der Abtransport hängt?

Bei der Arbeit jeder Zelle entstehen Stoffwechselendprodukte, die das unmittelbare Zellumfeld verlassen müssen. Sie werden in den Extrazellularraum abgegeben und dort über verschiedene Austausch und Transportprozesse weitergeleitet.

Funktioniert dieser Austausch über längere Zeit nur suboptimal, können Stoffwechselprodukte länger im Gewebe verbleiben und das dortige Milieu beeinflussen. Aus Sicht der Zellregulation ist das relevant, denn Zellen sind auf ein möglichst stabiles Umfeld angewiesen. Ph-Wert, Elektrolytzusammensetzung ist relevant für den Austausch und schlussendlich wird hier die Zellfunktion oder Zellgesundheit beeinflusst. Ziel ist es das Zellumfeld schnellstmöglich zu entlasten. Für mich beginnt hier der Ansatz die natürlichen Transport und Regulationsprozesse zu unterstützen.

Säuren, Basen und die Übersäuerung

Bei der Energiegewinnung und beim Abbau von Nährstoffen entstehen unter anderem Säuren. Auch die Ernährung beeinflusst den Säure Basen Haushalt. Werden bestimmte Säurebildner in größeren Mengen verstoffwechselt, kann dies Auswirkungen auf das Säure Basen Gleichgewicht haben. In der naturheilkundlichen Betrachtung spielt dabei die Übersäuerung des Gewebemilieus eine wichtige Rolle. Ein verändertes Milieu kann wiederum die Bedingungen beeinflussen, unter denen Zellen arbeiten.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Die hier beschriebene Übersäuerung des Gewebemilieus entspricht nicht einer Azidose des Blutes. Der menschliche Körper hält den pH Wert des Blutes innerhalb eines sehr engen Bereichs. Deshalb lohnt sich der Blick auf die unterschiedlichen Ebenen des Säure Basen Haushalts.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Auch die moderne Forschung beschäftigt sich mit der Frage, wie Ernährung und Säure Basen Haushalt zusammenhängen und welche Veränderungen sich dabei im Gewebe beobachten lassen.

Prof. Dr. Andreas Michalsen beschreibt unsere westlichen Ernährungsgewohnheiten als „säurelastig“ und verweist dabei insbesondere auf den hohen Anteil an tierischem Eiweiß. Dr. Rainer Stange erklärt, dass beim Abbau schwefelhaltiger Aminosäuren aus tierischem Eiweiß Schwefelsäure entsteht, die das umgebende Milieu ansäuert und den pH Wert im Gewebe vermindert.

Besonders interessant finde ich dabei, dass sich der Blick inzwischen auch auf das Gewebe richtet. In einer Untersuchung, an der Michalsen und Stange beteiligt waren, wurde mithilfe einer speziellen Messmethode der Säure Basen Haushalt im Muskel untersucht. Dabei zeigten sich Veränderungen im Muskelgewebe, während das Blut durch seine ausgeprägte Pufferfähigkeit deutlich stabiler blieb.

Gewebemillieu und Rückenschmerzen

Dass ein saures Gewebemilieu für Schmerzen relevant sein kann, zeigt uns die Wissenschaft. In Studien wurde eine saure Lösung direkt in einen Muskel eingebracht. Die Probanden entwickelten daraufhin Muskelschmerzen und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit, teilweise mit ausstrahlenden Schmerzen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass jede chronische Erkrankung auf eine Übersäuerung zurückzuführen ist. Es zeigt jedoch sehr anschaulich, dass der Säuregrad des Gewebes die Funktion und das Schmerzempfinden beeinflussen kann.
Cave: Die hier beschriebene Übersäuerung des Gewebemilieus ist dabei von einer medizinischen Azidose des Blutes zu unterscheiden. Der menschliche Körper hält den pH Wert des Blutes innerhalb eines sehr engen Bereichs. Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf das lokale Milieu des Gewebes.

Was bedeutet das für Detox und Ausleitung?

Unser Körper arbeitet jeden Tag daran, Stoffwechselprodukte weiterzuleiten und auszuscheiden. Detox bedeutet für mich deshalb vor allem, den Körper bewusst zu entlasten und seine natürlichen Regulations und Ausscheidungsprozesse zu unterstützen.

Dabei gehören Entsäuerung und Detox für mich eng zusammen. Eine Detoxphase schafft einen zeitlich begrenzten Rahmen, in dem der Körper entlastet wird und die eigenen Gewohnheiten bewusst betrachtet werden können. Die Ernährung ist dabei ein wichtiger Bestandteil. Gleichzeitig gehören Ausleitung, Entgiftung, Entlastung und die bewusste Veränderung gewohnter Abläufe zum gesamten Konzept.

Mein Fazit zu Schlacken

Für mich ist der Begriff „Schlacken“ heute viel weniger geheimnisvoll, als ich ihn früher empfunden habe. Erst als ich mich intensiver mit den physiologischen Abläufen beschäftigt habe, wurde mir klar, dass hinter diesem alten Begriff ein viel nachvollziehbarerer Gedanke steckt. 
Nochmal zum Vergleich Ofen und Zelle zurück: Unsere Zellen produzieren bei ihrer Arbeit ständig Stoffe, die schädlich sind und wieder aus dem System heraus müssen. Hier liegt für mich der nachvollziehbare Kern hinter dem alten Bild der „Schlacken“. Es geht weniger um geheimnisvolle Ablagerungen als um das Zusammenspiel von Stoffwechsel, Transport und Ausscheidung und um die Frage, wie gut dieses System funktioniert.

Detox statt entschlacken

Genau hier schließt sich für mich der Kreis zur Entsäuerung und zum Detox. Wenn Stoffwechselendprodukte aus dem Zellumfeld abtransportiert werden müssen und das Gewebemilieu dabei eine wichtige Rolle spielt, gehören beide Themen eng zusammen. Eine Detoxphase bietet die Möglichkeit, den Körper gezielt zu entlasten, die Ernährung bewusst zu gestalten und die natürlichen Regulations- und Ausscheidungsprozesse zu unterstützen. Entsäuerung ist für mich dabei ein wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Detoxansatzes.

Detox bedeutet für mich deshalb vor allem, die Zusammenhänge zu verstehen, den Körper bei seinen Aufräumarbeiten zu unterstützen und ihm für eine gewisse Zeit besonders gute Bedingungen zu schaffen.

Detox im Herbst

Wenn Sie diese Zusammenhänge selbst erleben und Ihrem Körper eine bewusste Zeit der Entlastung und Entsäuerung gönnen möchten, begleite ich Sie gerne in meinem Detoxkurs. Dabei geht es um mehr als Ernährung. Ausleitung, Entgiftung, Entsäuerung, Entlastung und die bewusste Veränderung von Gewohnheiten gehören zu einem ganzheitlichen Ansatz.

Herzlichst

Ihre Ute Micko
Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin

Herbst-Detox (Online)

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