Der Zusammenhang zwischen basischem Stuhl und basischer Ernährung
„Wenn mein Stuhl bereits basisch ist, welchen Sinn hat dann eine basenüberschüssige Ernährung für mich?“ Vor kurzem saß ein Patient bei mir, der von mir eine basenüberschüssige Ernährung als Unterstützung seiner Therapie empfohlen bekommen hat. Das Ergebnis seiner Darmdiagnostik hat ihn verwirrt: Sein Stuhl pH lag bereits im basischen Bereich.
Mein Patient ist Physiker. Zusammenhänge möchte er genau verstehen und bat mich um eine physiologische Erklärung. Besonders interessierte ihn die Frage, warum ich ihm für eine Woche eine basenüberschüssige Ernährung empfehle, obwohl er bereits einen basischen Stuhl hat.
Was also sagt ein basischer Stuhl tatsächlich? Und was hat eine basenüberschüssige Ernährung damit zu tun?
Kleiner Exkurs zum pH-Wert
Der pH Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. Die Skala reicht von 0 bis 14. Werte unter 7 gelten als sauer, Werte über 7 als basisch.
Im Körper finden wir ganz unterschiedliche pH Bereiche, die jeweils bestimmte Aufgaben erfüllen. Der Magen arbeitet beispielsweise in einem stark sauren Bereich. Die Magensäure unterstützt die Eiweißverdauung und trägt zur Abwehr von Krankheitserregern bei. Das Blut besitzt dagegen einen sehr eng regulierten pH Bereich, weil schon kleine Veränderungen zahlreiche Stoffwechselvorgänge beeinflussen können.
Vom Magen bis zum Darm
Vom stark sauren Magen über den weniger sauren bis leicht alkalischen Dünndarm bis zum von Darmbakterien geprägten Dickdarm verändert sich das pH Umfeld entlang des Verdauungstraktes mehrfach. Der pH-Wert beschreibt immer die Bedingungen an dem Ort, an dem er gemessen wird.
Und genau hier kommen wir zurück zu meinem Patienten: Der pH Wert seines Stuhls erzählt eine andere Geschichte als der pH Wert seines Blutes oder die Säureausscheidung über die Nieren.
Sauer und basisch gehören damit beide zu einer funktionierenden Physiologie.
Säurelast und Ernährung
Lebensmittel unterscheiden sich darin, welchen Einfluss ihre Verstoffwechselung auf den Säure Basen Haushalt hat. Dabei spielt der Geschmack eines Lebensmittels eine eher geringe Rolle. Eine Zitrone schmeckt beispielsweise ausgesprochen sauer. Ihre organischen Säuren werden im Stoffwechsel jedoch anders verarbeitet als die säurebildenden Bestandteile proteinreicher Lebensmittel.
Für die praktische Einteilung der Lebensmittel gibt es verschiedene Säure Basen Tabellen. Sie beruhen teilweise auf unterschiedlichen Berechnungen und Bewertungskriterien und kommen deshalb bei einzelnen Lebensmitteln zu unterschiedlichen Ergebnissen. Basisch bzw. basenüberschüssig ist ein Lebensmittel, wenn nach Abschluss der Verdauung mehr basenbildende als säurebildende Elemente übrig bleiben. Die Elektrolyte Kalium und Magnesium zählen beispielsweise als basenbildend. Wenn im Volksmund von basischer Ernährung gesprochen wird, ist damit eine basenüberschüssige Ernährung gemeint.
Was macht der Körper mit der Säurelast?
Der Körper verfügt über ausgeprägte Regulationsmechanismen und hält die pH-Werte seiner verschiedenen Bereiche bei gesunden Menschen sehr konstant. Die bei der Verstoffwechslung entstehende Säurelast wird hauptsächlich über die Nieren reguliert und ausgeschieden. Eine Ernährung mit höherer Säurelast führt deshalb zu einer entsprechend höheren Säureausscheidung über die Nieren.
Was die Forschung zur basischen Ernährung sagt
Die basenüberschüssige Ernährung setzt bei der Zusammensetzung der Ernährung und damit bei der potenziellen Säurelast an. Die Forschung beschäftigt sich neben der Säureausscheidung auch mit möglichen Zusammenhängen zwischen der diätetischen Säurelast und verschiedenen gesundheitlichen Parametern. Untersucht werden unter anderem Zusammenhänge mit Knochen, Muskulatur und Stoffwechsel. Wie so oft in der Forschung fallen die Ergebnisse je nach Fragestellung unterschiedlich aus. Deshalb lassen sich daraus positive Aussagen nur teilweise ableiten.
Zwei Paar Schuhe
Ein basischer Stuhl-pH sagt etwas über die Bedingungen im Darm aus. Er wird unter anderem durch die dort lebenden Bakterien und deren Stoffwechsel beeinflusst.
Die Empfehlung einer basenüberschüssigen Ernährung verfolgt dagegen ein anderes Ziel. Sie verändert die Zusammensetzung der Ernährung und damit auch die potenzielle Säurelast.
Beide Aussagen passen deshalb problemlos zusammen. Und genau das war für meinen Patienten der entscheidende Aha Moment.
Mein Fazit
Die Frage meines Patienten zeigt sehr schön, wie einfach zwei unterschiedliche pH Werte miteinander in Verbindung gebracht werden. Ein basischer Stuhl pH beschreibt die Bedingungen im Darm. Eine basenüberschüssige Ernährung setzt an der Zusammensetzung der Ernährung und an der daraus entstehenden Säurelast an.
Beides betrachtet unterschiedliche Ebenen.
Genau deshalb kann eine basenüberschüssige Ernährungsweise bei einem basischen Stuhl pH sinnvoll in ein individuelles Ernährungskonzept eingebunden werden.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis:
Beim Thema Säuren und Basen lohnt sich immer die Frage, wo genau etwas gemessen wird und welchen physiologischen Vorgang dieser Wert tatsächlich beschreibt.
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Herzlichst Ihre Ute Micko
Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin
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