Gesunde Ernährung?
Heute schreibe ich über einen Satz, den nahezu alle meiner Patienten mehr oder weniger überzeugt von sich in den Mund nehmen. Anfangs war ich noch glücklich über diese Aussage, doch nach zwei Jahren praktischer Erfahrung bin ich nachdenklicher gestimmt.
„Ich ernähre mich gesund.“
Manchmal klingt er etwas vorsichtiger mit „Eigentlich ernähre ich mich gesund.“ Dabei stellt sich mir jedes Mal die Frage, wenn das tatsächlich so stimmig wäre, warum sitzen meine Patienten dann bei mir in der Praxis? Irgendwo muss ein Fehler sein, den ich eventuell übersehe?
Bitte verstehen Sie mich richtig. Ich freue mich über jeden Menschen, der sich Gedanken über seine Ernährung macht und für sich entscheidet, was auf dem Teller richtig und wichtig ist. Genau das ist der erste Schritt und der Ansatz meiner Therapie erfolgt so angepasst wie möglich an das schon vorhandene Ernährungsmuster.
Im Laufe meiner Praxistätigkeit habe ich jedoch etwas Entscheidendes gelernt: Gesund ist ein relativer Begriff.
Jeder scheint etwas anderes darunter zu verstehen. Jeder legt ihn ein wenig anders aus. Und genau deshalb beginne ich eine Ernährungsberatung immer mit einem Ernährungsprotokoll.
Was bedeutet gesund?
Jeder Mensch verbindet mit einer gesunden Ernährung etwas anderes. Schon im Kindergarten begegnet uns der Begriff beim „gesunden Frühstück“. Schaut man sich den Frühstückstisch genauer an, zeigt sich schnell, wie unterschiedlich die Vorstellungen sind. Dort liegen Würstchen neben Muffins, Vollkornbrot neben Schokobrötchen, Obst neben Gemüse.
Alle Beteiligten möchten etwas Gutes beitragen. Gleichzeitig wird deutlich: Gesund bedeutet für jeden etwas anderes.
Im Erwachsenenalter setzt sich dieses Bild fort: Der erste verzichtet konsequent auf Zucker. Der zweite lebt vegetarisch. Andere kaufen ausschließlich Bio, essen Low Carb, zählen Kalorien oder trinken täglich einen grünen Smoothie. Dabei verfolgen alle das gleiche Ziel – die gesunde Ernährung. Nur jeder wählt einen anderen Weg.
Und genau deshalb verlasse ich mich in meiner Praxis lieber auf Fakten als auf persönliche Einschätzungen. Ein Ernährungsprotokoll erzählt häufig eine ganz andere Geschichte als die eigene Einschätzung auf die Frage nach der Ernährung.
Beispiel Salat
Während meiner Ausbildung zur Ernährungsberaterin (Abschluss: Diplom Fachberaterin für Säuglings- und Kinderernährung, 2018) kam die Frage nach dem Salatessen auf. Als unsere Dozentin von einer Klientin berichtete, die voller Stolz erzählte, regelmäßig Salat zu essen. Beim gemeinsamen Einkauf der beiden hat sich besagter Salat als Kartoffelsalat und Wurstsalat aus dem Kühlregal entpuppt. Hier musste die ganze Ausbildungsklasse kopfschüttelnd schmunzeln.
Dieses Beispiel hat sich bis heute bei mir eingeprägt.
Es zeigt, wie unterschiedlich der Begriff gesund verstanden wird. Mit bestem Wissen und Gewissen entstehen Vorstellungen, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Menschen handeln in der Überzeugung, sich gesund zu ernähren. Gerade dieses gute Gewissen verhindert häufig, dass sie ihre Ernährung kritisch hinterfragen und Ernährungsfehler über Jahre hinweg unentdeckt bleiben.
Warum „gesund“ und „ausgewogen“ zwei verschiedene Paar Schuhe sind
Hier liegt aus meiner Sicht das eigentliche Missverständnis. Im Alltag sprechen wir ständig von gesunden Lebensmitteln. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht greift diese Betrachtung jedoch zu kurz.
Beispiel Apfel
Die meisten Kursteilnehmern sagen hier spontan: „Apfel ist gesund.“ Jetzt essen wir heute 50 Äpfel. Morgen wieder. Übermorgen ebenfalls. Wer mag, erhöht auf 100 Äpfel am Tag. Ich glaube, an diesem Punkt sind wir uns einig: Von einer gesunden Ernährung würde niemand mehr sprechen. Der Apfel hat sich in der Zwischenzeit nie verändert. Verändert hat sich ausschließlich das Gesamtbild.
Beispiel Eier
Im Netz bin ich auf einen Gesundheitscoach gestoßen, der täglich 16 rohe Eier isst. Das ist seine persönliche Entscheidung und die darf er behalten. Ob daraus automatisch eine gesunde Ernährung entsteht? Ich kann Sie förmlich mit dem Kopf schütteln sehen.
Genau deshalb tue ich mich mit dem Begriff „gesund“ so schwer. Und deshalb finde ich diesen Begriff sowohl zu oberflächlich als auch fehlerhaft. Ein einzelnes Lebensmittel beschreibt noch keine Ernährung, ein Tag beschreibt noch kein ein Jahr, ein Jahr beschreibt noch kein lebenslänglich.
Ausgewogene Ernährung als Schlüssel
Erst die Summe aller Lebensmittel, ihre Vielfalt, ihre Menge und ihr Zusammenspiel ergeben am Ende eine Beurteilung. Und genau deshalb spreche ich in meiner Praxis lieber von einer ausgewogenen Ernährung statt von einer gesunden Ernährung.
Gehört Blutwurst zu einer ausgewogenen Ernährung?
Wenn ich in Vorträgen über eine ausgewogene Ernährung berichte, erwähne ich gerne die Blutwurst. Die Blutwurst zählt zu den eisenreichsten Lebensmitteln und bietet bei einem Eisenmangel eine gute Möglichkeit die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Jetzt sehe ich vor meinem inneren Auge wieder Ihren Gesichtsausdruck, vermutlich den gleichen, den ich häufig auch bei meinen Kursteilnehmern sehe.
Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Blutwurst hat trotz ihrem „ach so tollen Mikronährstoffgehalt“ bei den meisten verloren. In meinem Speiseplan steht sie auch auf der No-Go-Liste. Blutwurst würde ich nie essen, allein der Gedanke lässt mich schütteln. Mir egal wieviel Eisen da drin ist! So greife ich stattdessen zu anderen Lebensmitteln oder freue mich über die Möglichkeit einer gezielten Eisensubstitution mit hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln.
Persönliche Vorlieben und ernährungswissenschaftliche Fakten sind zwei verschiedene Dinge. Niemand von uns muss Blutwurst essen, um seinen Eisenbedarf zu decken. Es gibt Alternativen, Gott sei dank auch Nahrungsergänzungsmittel, die eine für uns ausgewogene Ernährung unterstützen.
Genau darum geht es mir in meiner Arbeit und in meinen Vorträgen: Spätestens hier haben meine Patienten und Kursteilnehmer den Unterschied zwischen ausgewogener Ernährung, gesunder Ernährung und sinnvoller Nahrungsergänzung verstanden.
Was bedeutet das für Ihren Alltag?
Genau aus diesem Grund möchte ich Menschen auch keine Liste mit gesunden und ungesunden Lebensmitteln an die Hand geben. Meine Patienten bekommen eine Ernährungsempfehlungen aus einer Kombination von Ernährungswissenschaft und TCM. Die meisten halten sich daran, weil Gesundheit von innen kommt und Ernährungsfehler wieder korrigiert werden können.
Viel wichtiger als jede Ernährungsliste ist für mich folgende Frage: Wie sieht Ihre Ernährung insgesamt aus?
Ein Croissant am Sonntagmorgen entscheidet genauso wenig über die Qualität Ihrer Ernährung wie der Salat zum Mittagessen. Entscheidend ist, was Woche für Woche auf Ihrem Teller landet und wieviel.
Wie abwechslungsreich essen Sie? Schaffen Sie die 30 g Ballaststoffe, die übrigens auch von der DGE empfohlen werden?
Wie gut versorgen Sie Ihren Körper mit allen wichtigen Nährstoffen? Es gibt 47, in manchen Lehrbücher 52 essentielle Mikronährstoffe. Eine ausgewogene Ernährung bedeutet eine gute Versorgung aller dieser Mikronährstoffe zu gewährleisten. Fehlt nur einer, ist die Ernährung bereits suboptimal.
Und wie gut passt Ihre Ernährung zu Ihrem Alltag? Vorkochen, Tiefkühlkost oder doch lieber eine schnelle Fertigmahlzeit? Eine ausgewogene Ernährung besteht aus vielen kleinen Entscheidungen. Genau deshalb schaue ich in der Ernährungstherapie immer zuerst auf das Gesamtbild.
Mein Fazit
Seit meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin höre ich den Satz „Ich ernähre mich gesund.“ mit anderen Ohren. Inzwischen habe ich gelernt, wie unterschiedlich jeder Mensch den Begriff gesund interpretiert.
Genau deshalb spreche ich lieber von einer ausgewogenen Ernährung. Sie lässt sich weder an einem einzelnen Lebensmittel noch an einer bestimmten Ernährungsform festmachen. Entscheidend ist immer das Gesamtbild.
Vielleicht nehmen Sie aus meinem Blogbeitrag genau diesen Gedanken mit: Hinterfragen Sie Ihre Ernährung ruhig einmal kritisch. Weniger mit der Frage „Ernähre ich mich gesund?“, sondern vielmehr mit dem Blick darauf, wie ausgewogen Ihr Speiseplan über Tage und Wochen tatsächlich ist. Denn genau dort beginnt aus meiner Sicht eine bewusste und langfristig gesunderhaltende Ernährung. Für Ihr Wohlbefinden und für eine Zeit, in der Sie mich als Therapeutin nur von der Ferne grüßen werden. Die Vorstellung gefällt mir sehr, denn es gibt noch genügend Patienten, um die ich mich kümmern darf.
Individuelle Ernährungsberatung statt allgemeiner Ernährungstipps
Jeder Mensch bringt andere Gewohnheiten, Vorlieben und Herausforderungen mit. Genau deshalb gibt es aus meiner Sicht keine Ernährungsempfehlung, die für alle gleichermaßen passt.
In meiner Praxis analysieren wir gemeinsam Ihre Ernährung, betrachten Ihr Ernährungsprotokoll, Ihre Laborwerte, Ihre Stuhlauswertung und entwickeln Schritt für Schritt ein Therapiekonzept, das zu Ihrem Alltag und Ihren persönlichen Zielen passt. Ich verspreche Ihnen kreative sowie alltagstaugliche Lösungen bei der Umstellung Ihrer Ernährungsgewohnheiten.
Ich freue mich darauf, Sie und Ihren Ernährungsplan kennenzulernen. Nutzen Sie mein Online Buchungsportal für eine schnelle Terminbuchung. Für Neupatienten biete ich ein erstes telefonisches Infogespräch an. So können wir uns ganz entspannt kennenlernen und ein grobes Vorgehen besprechen.
Bis bald in meiner Praxis oder in meinen Kursen – wir sehen uns!
Ihre Ute Micko
Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin